Vor der Stadt Osterode, an dem Sösekanale, im Bezirke des königlichen Amtes Osterode, befindet sich ein Kupferhammer, dessen Besitzer Herr Friedrich Jorns ist.

Auf diesem Hammer werden die Scheiben des rohen Kupfers oder des Bergkupfers, so wie auch allerlei altes Kupfer und Abfall auf einem Herde, welcher einem hohen Ofen gleicht, geschmolzen. Gewöhnlich werden 3 Zentner, in 2 Stücken in der Zeit von 2 Stunden, ausgegossen, jedoch zu großen Branntweinsblasen bis zu 5 Zentner vergrößert.

Nachdem das Kupfer von den Schlacken gereinigt ist, wird es mit einem eisernen Schmelzlöffel in allerlei eiserne Formen, welche mit Lehm und Asche ausgestrichen sind, zu einem Hartstück gegossen, mit einer eisernen Keule, Schrothacke genannt, unter dem Breithammer zerschrotet oder verhauen. Hierauf werden diese Stücke zu Tafeln, Kesseln und anderen Geschirren verschmiedet.

Um die fernere Ausarbeitung der Kesselschaalen und des Kochgeschirres hervorzubringen, werden die Hartstücke durch eine Schrothacke in Theile gehauen, hernach unter den Breithammer, dessen Gewicht hier 4 Zentner (umgerechnet) beträgt, gebracht, so daß der Hammer am Rande gleichsam im Kreise herumschlägt, damit sie dünner ausgestreckt werden und in der Mitte dicker bleiben. Dieser Scheiben werden alsdann 2 oder 4 auf einander zugleich gehämmert, und dann 10 bis 16 auf diese Art mit einander verbunden, daß die äußere Schaale, welche größer und dicker sein muß, mit ihrem Rand umgebogen wird, so daß dadurch das Gespann, d.h. alle Scheiben, fest untereinander verbunden sind.

Hierauf wird das Gespann in den Glühofen, welcher bloß mit Holz geheizt wird, ausgeglüht, und zum Austiefen und den Tiefhammer, welcher 3 Zentner wägt, 3 Fuß lang und spitz ist, gebracht, und dann in einer Schneckenlinie herumgedreht, bis es die gehörige Tiefe hat. Nach dieser ersten Verarbeitung wird das Gespann im Schmiedefeuer ausgeglüht, bis daß es unter dem Hammer gertig gemacht ist.

Wenn alsdann das Gespann seine erforderliche Tiefe und Größe hat, wird der Falz mit einer großen Scheere, die durch’s Wasser betrieben wird, (daher auch Wasserscheere heißt), abgeschnitten, und die Kessel auseinander genommen. Die weitere Ausarbeitung der Kessel geschieht dann von dem Kupferschmiede.

Osterode am Harz 1832Ferner werden auf dem hiesigen Kupferhammer alle Sorten Kupfertafeln geliefert, den Quadratfuß 25 Gramm an Gewicht bis zur Stärke von 250 Gramm, in verschiedener Größe, die Tafel 20 Quadratfuß haltend. Auch alle Teile zu Branntweisblasen werden hier ausgearbeitet, von 5 Fuß 6 Zoll Weite bis zu 14 Zoll. Zu Einer Blase wird gewöhnlich 1 Unterboden, 1 Obertheil und 3 bis 4 Stück Seitenbleche genommen, und von dem Kupferschiede zusammengenagelt. Außerdem werden hier noch alle Theile zu Braupfannen, Bier- und Färbekesseln, zu jeder gewünschten Größe verfertigt.

Das rohe Kupfer oder das Bergkupfer, welches auf hieigem Hammerwerke verarbeitet wird, bezieht der Besitzer von der königlichen Berghandlungsfaktorei in Goslar. Außerdem wird hier auch altes Kupfer und der Abfall von dem verarbeiteten Kupfer umgeschmolzen. Beim Schmelzen ist noch bemerkenswert, daß alle mögliche Farben sich im Feuer entwickeln, was einen sehr schönen Anblick gewährt.

Der gegenwärtige Betrieb auf dem hiesigen Kupferhammer geschieht durch 5 Menschen, und der Absatz, welcher ungefähr 200 Zentner des Jahres beträgt, beschränkt sich größtenteils nur auf das Inland. Sonst wurde von hier viel Kupfer in den preußischen Staat geschickt, namentlich nach Nordhausen; durch den sehr erhöhten Eingangszoll aber hat der Absatz dahin aufgehört. Größtentheils wird der Handel nur mit Kupferschmieden geführt.

Die Einführung des englischen gewalzten Kupfers tut im Hannöverischen diesem Handelsartikel großen Abbruch: Wird aber wie es heißt, auf das ausländische Kupfer in unserem Lande eine höhere Eingangssteuer gesetzt, wie es im Preußischen schon geschehen ist (, wo für 1 Zentner ausländische Kupfer 10 Taler (?) Eingangssteuer bezahlt werden müssen): dann wird dieser Betrieb im Hannöverischen sich ohne Zweifel eines allgemein besseren Zustandes zu erfreuen haben.

Quelle

Familie

Jorns / Jordens